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Das Bundaberg Flut Protokoll, Januar 2013

 

Midtown Marina Bundaberg

 

Position

 

Die Lage

 

 

Katamaran Pelagic nachmittags an der Mooring im Hafen

 

Bundaberg, Queensland , Australien 26.01.2013

 

Wolkenbruchartiger Regen. Lenzen 4 Mal am Tag das Dingy von Pelagic.

Die Eigner, Iris und Graham, sind in Gladstone vom Wetter abgeschnitten und haben absolut keine Chance zu kommen.

Grob geschätzter Niederschlag in 24 Stunden 300-400mm

Um 17:00 geht der Katamaran Kilo auf Drift, nimmt zwei Sloops mit und verhakt sie miteinander.

Dann driftet der Pulk auf den Katamaran Pelagic zu und verhakt sich mit ihr.

10 Minuten später reißt auch die Pelagic los und die vier Schiffe treiben den River herunter.

Suche zu Fuß das Ufer ab aber kann sie nicht mehr ausmachen­.

 

 

Die kleinen Sloops hinter Pelagic und Kilo sind fast nicht auszumachen

 

 

Der Blick aus dem Atlantis-Bullauge zeigt horizontalen Regen und Böen bis 40 Kn direkt im Stadthafen von Bundaberg.

 

 

Blick aus dem Bullauge der Atlantis in den Hafen

 

John von Sea Karma ruft an: „Leave the Marina, it is too dangerous friends.

Fisherman Eric von Shane sagt er wartet bis zum Morgengrauen dann fährt er.

Wir legen uns noch ein paar Stunden hin und warten noch ab.

 

 

 

 

 

Bundaberg, Queensland , Australien 27.01.2013

2 Uhr nachts, lautes Klopfen am Rumpf. Es sind unsere anderen Katamaran-Nachbarn.

Wir sollen die Marina so schnell wie möglich verlassen. Wind 30 Knoten. Schauer Böen.

Strom drei Knoten. Wir bereiten Atlantis zum Fahren vor.

Wegräumen, Wasser nachtanken, Landstrom wegnehmen usw.

Verlassen die  Marina  um 04:00 AM.

Sicht 30m. Sintflutartiger Regenfall, Wind 40 kn. Strom 4-5 Kn. Verholen zur Destillery Reach bei Paddy Island.

Das Marina Gelände steht schon 2m unter Wasser. Alles lose Gut geht auf Drift.

Später wird der Regen etwas weniger. Ankern bei anfangs 50 Knoten Wind und 6 Knoten Strom.

Die gesamte Kette rauscht aus bis zum Stopper.

 

 

Atlantis bei sechs Knoten Strom vor Anker

 

 

Können sie mit der Fallwinsch wieder einholen denn die Ketten-Nuss will bei dem Zug nicht halten.

Gegen 07:00 kommt die gesamte Steganlage der westlichen Midtown-Marina mit den vertäuten Yachten den River herunter.

Vorweg Sea Karma mit John.

 

 

Sea Karma mit John fährt vorweg um alle zu warnen

 

 

Unter andern auch mit dem Trimaran Osho den wir gut von Whangarei kennen.

 

 

Dies ist die komplette Steganlage der Westlichen Marina mit den festgemachten Booten auf Drift

 

 

 

 

Die Stegelemente links lösen sich in den Stromverwirbeln bereits voneinander

 

 

 

John bleibt dabei und warnt VWR permanent

 

 

Als nächstes folgten die Stege der Ost-Marina, dann die Tankstelle.

 

 

 

Stege der Ost-Marina kommen den River runter

 

 

 

Weitere Stege der Marina

 

 

 

Die komplette Tankstelle der Midtown Marina mit dem gesamten Dieselvorrat

 

 

 

 

Das Security Boot der Midtown Marina

 

Zwischendurch jede Menge unbemannte Yachten,

 

 

 

Der rechte Drifter hat den linken Ankerlieger knapp passiert

 

 

 

Und wieder ein gefährlicher Passant

 

 

 

 

Fast ein Wrack aber überlebt

 

 

 

Voll gelaufener Trimaran auf Drift

 

 

 

 

Das ging gerade noch mal gut aus für den Ankerlieger

 

 

 

ein großer Betonponton und weitere Stege Wrackteile usw..

Nachmittags kam dann ein Katamaran direkt auf uns zu. Wir konnten bei 8-9kn Strom nicht ausweichen und

er ging zu knapp an uns vorbei. Dabei verhakte sich aber sein Ankergeschirr mit unserem.

Uns gelang es in zweistündiger Arbeit die Kette mit einem Wurfdraggen zu fangen.

Auf Anraten der Rescue kappten wir die Kette des Kats als der Winkel gut zu den Mangroven stand.

Er driftete direkt hinein und lag sicher.

Jetzt galt es noch den Anker und die Kette los zu werden. Aber auch das klappte.

Zwischenzeitlich fanden wir auch die Kilo wieder. Sie lag fast unversehrt in den Mangroven.

Den ganzen Nachmittag und die folgende Nacht driftete eine Yacht nach der Anderen den River herunter.

Ein großer Kat verfing sich in den Bäumen und nahm Lage auf.

Eine Stunde später war der BB-Rumpf durch die Fluchtluke vollgelaufen und er kenterte durch.

 

 

Gekenterter Katamaran auf Drift

 

 

Dann folgten ein großer Gastank und hunderte von Gasflaschen und immer wieder Schwimmstege.

Gegen zwei Uhr ging ein Ankerplatznachbar auf Drift und nahm drei weitere Boote mit in den Untergang. 

 

 

Destillery Reach & Rocky Reach, Queensland , Australien 28.01.2013 02:30

 

Inge weckt mich  weil wir bei Destillery Reach auf Drift gehen.

Strömung 6-7 Knoten. Keine Uferkontur mehr erkennbar.

Nur noch Überschwemmungsgebiete soweit das Auge reicht.

 

 

Landunter

 

Keine Betonnung mehr zu sehen. Navigation nur noch nach E-Karten moeglich.

Keine verwertbare Landmarken mehr zu sehen. Verholen zum Rocky Reach und finden Pelagic wieder.

Sie liegt längsseits bei einem Fischer.

 

 

Pelagic sicher beim Berger

 

Ankern bei Rocky Reach.

Ein paar Stunden später steht neu verholen an weil wir Four Knots Point zu nahe kommen.

Dort läuft der Strom ueber die gesunkene Cable Ferry mit 10-12 kn.

Dann der Schock. Die Maschine lässt sich nicht mehr starten.  Wasserschlag.

Dazu irre Müllinseln die permanent gegen das Ankergeschirr drücken.

 

 

Müll und Mangrovensediment auf Drift

 

Nach der ersten Analyse sieht es so aus als wenn ein Pleuel gebrochen ist und blockiert.

Inge und ich beschließen uns auf das Verlassen des Schiffes vorzubereiten.

Tapfer packt Inge alle wichtigen Dinge in den wasserdichten Notfall-Sack.

Gehen alle fünf Minuten nach vorne um das Geschirr zu befreien.

Die anderen fünf Minuten arbeiten wir wie wild an der Maschine.

Haben Glück im Unglück die Maschine war wegen einer Verstopfung im Schwanenhals-Ventil ueber die Ventile vollgelaufen.

 

 

So ein Wasser verstopft alles

 

Wir bauen alle Einspritzdüsen aus und entwässern die Maschine.

Volvo ist teuer aber Grundsolide.

Nach dem Ölwechsel nachts um 01:00 läuft sie wieder. Wir können verholen.

Danach weiterhin Ankerwache und Arbeit am Ankergeschirr.

Fallen uns in die Arme und kämpfen mit unseren Emotionen.

Schlafen später im Stehen.

 

 

Destillery Reach & Rocky Reach, Queensland , Australien 29.01.2013

 

Liegen jetzt am Mangrovenrand um nicht an einem Creek-Ausgang zu liegen.

Die Burnett Queen, die eine ganze Zeit in den Mangroven verhakt war reißt sich los,

driftet vorbei und verschwindet hinter den Stromschnellen.

 

 

Die bereits von Locals geplünderte Burnett Queen im Treibgut auf Drift

 

Danach eine Pontonbrücke und ein großer Tank.

Später Gasflaschen, Reifen, Tiefkühltruhen, Kühlschranke, Hausteile, TVs, Mangrovenschrott und

Müll in unglaublichen Mengen. Dann Inselchen mit lebenden Tieren die verzweifelt einen Ausweg suchten.

Dingy Einsatz unmöglich. Zu starke Strömung und zu viel Treibgut.

Dann lösen sich in kurzer Zeit riesige Mangrovensedimente mit Baumstämmen und jeder Menge Müll.

Wir fahren zickzack vor Anker um ihnen auszuweichen.

Eine besonders große Treibgut – Insel trifft Pelagic und reißt sie mit sich.

 

 

Pelagic wird los gerissen und geht erneut auf Drift

 

Das tapfere Schiff treibt am eigenen Anker ueber die gesunkene Fähre weg.

Das Krachen hörten wir in 500 m Entfernung.

Anschließend bleibt sie mitten in den Stromschnellen vor Anker liegen.

Bis nachts um 02:00  kreisten die Helikopter ueber Land und Mangroven um Menschen zu suchen und zu retten.  

Die Einheimischen warnen intensiv vor Giftschlangen.

 

Rocky Reach, Queensland , Australien, 30.01.2013

 

Am Morgen ist Pelagic verschwunden.

Der Pegel sinkt zum ersten Mal wieder

Wir telefonieren schweren Herzens mit Iris und Graham, die Eigner der Pelagic.

Sie chartern eine Maschine und suchen aus der Luft nach Pelagic.

 

 

Iris und Graham suchen die Pelagic

 

Dann später die erlösende Meldung von Iris.

Pelagic hat die Stromschnellen überwunden und ankert wieder. Ein tapferes Schiff.

 

Von der VMR erfahren wir dass die Polizei Fahrverbot für den gesamten Burnett erteilt hat.

Alle Schiffe müssen an ihrem jeweiligen Liegeplatz bleiben bis der Fluss neu vermessen ist.

 

Von unserem Freund John erfahren wir dass er seinen Camper Van bei RSL in Bundaberg verloren hat.

Die Sea Karma hat 100000 $ Schaden ist aber gerettet und John hat überlebt.

Nicht so sein Segelkamerad. Der ist mit seinem eigenen Kat gekentert und alle Hilfe kam zu spät.

 

Rocky Reach, Queensland , Australien, 31.01.2013

Spannungs-Zusammenbruch im Bordnetz. Nichts geht mehr. Vermutung Plattenschluss bei einer Batterie.

Booten das Netz mit Hilfe eine Benzingenerator auf Startspannung.

 

 

Kleinstgenerator als Not – Backup System

 

Hatten ihn in Vanuatu günstig kaufen können. Nun ist er der stolze Retter.

Wollen den Generator starten aber er schweigt.

Nach langer Suche finden wir den Fehler in der tief entladenen Generator Batterie.

Der Generator läuft wieder.

 

Besuch der Water Police aus Gladstone mit Frage nach der Versorgungslage.

Atlantis wird mehrfach fotografiert.

Unsere persönlichen Daten und unsere Handynummer werden abgefragt

Sie schätzen dass es noch ein paar Tage dauert bis wir wieder segeln können.

 

Das Wasser ist gesunken und das ganze Ausmaß der Katastrophe wird sichtbar.

Eine verwüstete Landschaft, zerstörte Lebenswerke und mehr.

 

Wir wollen sobald als moeglich weg.

 

Für Yachten gibt es in Bundaberg Stadt vorerst keine Perspektive mehr. Kein Wasser , kein Diesel usw.

 

Ob sich die Midtown-Marina von diesem Desaster jemals erholen wird ist fraglich.

Hoffentlich sind sie dieses Mal besser versichert als beim letzten Mal.

 

 

Technische Schlussgedanken

 

Die größten Probleme bei der gesamten Situation hatten Katamarane und auch Trimarane. Auf der einen Seite waren sie überproportional unbemannt, also verlassen als sie auf Drift gingen, während viele Monos bemannt waren. Weiterhin bildeten die, bei Katamaranen vor Anker und Mooring üblichen, Hahnepots perfekte Fallen für Treibgut. War der Durchgang zwischen den Rümpfen erst einmal, auch nur geringfügig, blockiert kam schnell neues Treibgut dazu und das Ende war schon in Sicht. Monos hingegen befreiten sich oft von allein vom Treibgut es sei denn das echte Haker vorlagen wie lange Astgabeln und Bäume. Der größte Teil der Havaristen war einfach zu früh von ihren Eignern verlassen worden.

 

 

 

 

 

 

Nachfolgend noch ein paar beeindruckende Fotos aus der Presse

 

 

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Hier lag früher die Bundaberg Midtown Marina

 

 

 

aaa2

 

Hier haben wir mit 17 anderen Schiffen die Flut überstanden

 

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Bundaberg Haupt Einkaufs Straße Bourbong

 

 

aaa5

 

 

Quo vadis?

 

 

 

Ein Bericht von

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